Masern: sollen wir impfen gehen?

Aktuelle Situation in Österreich

Aktuell wird in Österreich eine Ausweitung des Maserngeschehens beobachtet. Laut nationalem Meldesystem wurden seit Jahresbeginn in sechs Bundesländern insgesamt 76 Masernfälle (Stand 12.5.2017 Quelle: BMGF) gezählt. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2016.

 

 

Masern sind kein Kinderspiel

Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. Sie sind hoch ansteckend und können sowohl für Säuglinge und Kinder als auch für Jugendliche und Erwachsene schwerwiegende Folgen haben.

 

 

Die Inkubationszeit beträgt normalerweise 8 bis 10 Tage. Diese Zeit zwischen Kontakt mit der Erkrankung und dem Ausbruch der Erkrankung führt zum katarrhalischen Stadium mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Husten, Schnupfen und geröteten Augen. Nach etwa 14 Tagen beginnt der Hautausschlag, das Masernexanthem: bräunlich-rosafarbene Flecken, die ineinanderfließen. Bis zum Beginn des Fiebers können 18 Tage vergehen.

 

 

Die Gesellschaft sollte, so der Wiener Impfspezialist und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch, damit aufhören, die Masern als eine ungefährliche Erkrankung zu betrachten. Bei 20 von 100 Fällen von Masern treten Komplikationen wie Bronchitis, Mittelohr- und Lungenentzündung auf. Eine Infektion "kille" beispielsweise den Großteil der Immun-Gedächtniszellen und führe so zu einer längerfristigen Immunschwäche gegenüber anderen Erkrankungen. Schließlich stelle sich laut internationalen Studien immer mehr heraus, dass die gefährlichste Komplikation der Masern, die sogenannte Subakute Sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), häufiger auftrete als bisher angenommen. Dabei kann es etwa um die zwölf Jahre nach einer Infektion im Säuglings- oder Kleinkindalter zu einer fortschreitenden und in jedem Fall tödlichen Entzündung des Gehirns kommen. Ehemals wurde die Häufigkeit mit einem Fall unter 10.000 bis 100.000 Maserninfektionen angenommen. Nach neueren Erkenntnissen dürfte diese Rate bei etwa eins zu 1.700 liegen. (Quelle: derstandard.at/2000053783384/Masern-Faelle-Oesterreich-auf-dem-Weg-zum-Rekordjahr)

Nicht von Flüchtlingen eingeschleppt

Masernvirus-Infektionen traten vergangenes Jahr in allen Bundesländern auf. Am stärksten betroffen waren jedoch Niederösterreich, Wien, Oberösterreich und die Steiermark. Von den 309 Masern-Erkrankten in Österreich im vergangenen Jahr waren 71 Prozent nicht geimpft, von 20 Prozent war der Impfstatus unbekannt. "Eine Analyse der Masernfälle nach Herkunftsland durch die Abteilung für Surveillance und Infektionsepidemiologie ergab, dass kein Fall aus einem Flüchtlings-assoziierten Herkunftsland stammte und diese Gruppe daher diesbezüglich kein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die österreichische Bevölkerung darstellte", stellte die Wiener Virologin Heidemarie Holzmann fest. (Quelle: diepresse.com/home/leben/gesundheit/4996225/Oesterreich-hat-zweithoechste-MasernRate-in-Europa)

Impfung schützt!

Masern ist eine schwere Kinderkrankheit, die seit Einführung der Masern-Impfung in den 1960er Jahren stark zurückgedrängt werden konnte. Das aktuelle Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist eine weltweite Ausrottung der Masern. Auch das österreichische Bundesministerium für Gesundheit und Frauen (BMGF) hat sich dazu verpflichtet, dieses Ziel zu verfolgen. Um die dafür notwendige Herdenimmunität zu erreichen, sind Durchimpfungsraten von 95 Prozent mit zwei Dosen eines Impfstoffes gegen Masern notwendig. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, ist auch ein Impfen bei bestehender Immunität oder nach vorhergehenden Impfungen kein Problem, denn in diesem Fall werden die Impfviren an ihrer Vermehrung gehindert. Eine Überimpfung ist demnach nicht möglich.

Österreich ist im europäischen Vergleich Schlusslicht

In Österreich ist die Zahl der Masernfälle 2015 mit 309 Fällen auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen (2008: 443 Fälle). Europaweit (EU/EEA-Länder) liegt Österreich mit einer Inzidenz von 35,3 gemeldeten Fällen von Masern pro 1 Million EinwohnerInnen an zweiter Stelle nach Kroatien (Kroatien 51,6 Fälle pro 1 Million EinwohnerInnen). Diese Zahlen zeigen, dass hierzulande noch keine ausreichende Herdenimmunität besteht, um die Verbreitung dieser Infektionen zu verhindern.

 

Aus diesem Grund war es wichtig, die Durchimpfungsraten hinsichtlich Masern in Österreich genauer zu untersuchen, womit das BMGF Mathematiker der Technischen Universität Wien beauftragte. Mit Hilfe eines mathematischen Modells wurde der Zeitraum von 1.1.1998 bis 31.12.2015 untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass es Impflücken in Österreich gibt, vor allem bei den Geburtsjahrgängen 2008 bis 2010 und bei Erwachsenen, geboren in den 1990er Jahren. Zusätzlich ist aktuell ein Drittel der 15-30-Jährigen noch kein zweites Mal geimpft, das sind mehr als eine halbe Million Personen.

 

Es wird daher allen nicht-geimpften Personen dringend geraten, den Empfehlungen des österreichischen Impfplans nachzukommen und sich frühestmöglich gegen Masern-Mumps-Röteln impfen zu lassen. Der Impfstoff ist für Kinder und Erwachsene an öffentlichen Impfstellen sowie im Rahmen des Kinderimpfprogramms kostenfrei erhältlich. 

Diagnostik des Masernvirus

Die Masern weisen ein klinisches Bild auf, das mit anderen Erkrankungen wie Röteln, Ringelröteln und Scharlach verwechselt werden kann. Die Labordiagnostik ist deswegen zum sicheren Nachweis der Masernerkrankung unerlässlich geworden. Die WHO fordert als Kriterium für eine gute Surveillance in allen Ländern der europäischen WHO-Region, dass 80% der gemeldeten Masernfälle durch einen adäquaten Laborbefund bestätigt werden. Für die Labordiagnostik steht ein breites Spektrum von Methoden zur Verfügung, die den Nachweis spezifischer Antikörper und den Virusnachweis umfassen. Der Nachweis der virusspezifischen IgM-Antikörper im Serum als Marker eines aktuellen Krankheitsgeschehens stellt derzeit die schnellste und sicherste Methode dar, die in der Regel mit dem Ausbruch des Exanthems positiv ausfällt, jedoch bei bis zu 30% der an Masern Erkrankten am 1.–3. Tag nach Auftreten des Exanthems noch negativ sein kann. Darüber hinaus sollte möglichst bei allen Fällen der Virusgenomnachweis per RT-PCR erfolgen. Diese nicht-invasive Methode bietet eine hohe diagnostische Sicherheit. Dafür werden vor allem Urin und Rachenabstrich verwendet, die bis zu einer Woche nach Exanthembeginn entnommen werden sollten. Ein Virusgenomnachweis per PCR aus Serum wird nicht empfohlen. Der positive Nachweis der Masernvirus-RNA mittels der RT-PCR in Patientenproben, die kurz nach dem Exanthembeginn entnommen wurden wie auch der IgM-Nachweis bestätigen die akute Erkrankung.

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