Studie Forschungstrends in Österreich

90 Medikamente erhielten 2020 in der EU die Marktzulassung, im ersten Quartal 2021 weitere 27. Die meisten Therapien wurden – wie schon in den Jahren zuvor – im Bereich Onkologie angemeldet. Covid-19 dreht diese Entwicklung um. 2021 erwarten private und öffentliche Forschungseinrichtungen in Österreich besonders viele Publikationen zu Impfstoffen und Medikamente gegen Infektionserkrankungen. Das zeigt unser aktuelles Forschungsbarometer, für das wir die Marktzulassungen durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA mit den Aussagen von Forschungsinstitutionen verglichen haben.

 

752 Entscheidungen hat die EMA 2020 getroffen, im ersten Quartal 2021 waren es 440. Die meisten davon betreffen die neuerliche Begutachtung bereits zugelassener Medikamente, wenn etwa Nebenwirkungen auftauchen oder das Medikament für ein anderes Therapiegebiet angemeldet wird. Neu zugelassen wurden letztes Jahr 90 Medikamente, 2021 im 1. Quartal 27. Die meisten Medikamente sind gegen onkologische Erkrankungen entwickelt worden. 24,4% aller 2020 zugelassenen Medikamente sind für den Einsatz bei Krebstherapien konzipiert. Platz 2 belegen Antibiotika und Virostatika gegen Infektionserkrankungen (12,22%), gefolgt ex aequo von Immunsuppressiva oder -stimulans (11,1%) und Medikamente gegen Atemwegserkrankungen (11,1%). Für den Einsatz gegen Covid-19 wurden ein Medikament und eine Impfung zugelassen. Im ersten Quartal 2021 erhielten weitere drei Impfstoffe gegen Covid-19 die Marktzulassung. Onkologie und Immunologie bleiben jedoch weiterhin die innovationsstärksten Bereiche.

 Medikamente Marktzulassung EMA

Forschungsfokus Impfstoffe und Infektionskrankheiten

Die Forschung selbst konzentriert sich nach Aussage der Institutionen bereits verstärkt auf Infektionskrankheiten und die Entwicklung neuer Impfstoffe. Forschten letztes Jahr noch mit 41 Prozent die meisten Befragten zum Thema Zellkultur und Zellmetabolismus (41%), gefolgt von Onkologie (27%), so erwarten die Forscherinnen und Forscher 2021 die meisten Publikationen im Bereich Impfstoffentwicklung (80%), dicht gefolgt von Virologie (79%) und Immunologie (62%).

 

Andere Forschungsbereiche wurden und werden noch immer nach hinten gestellt. Besonders besorgniserregend ist der Rückgang bei Forschungsvorhaben zu den Themen Zellkultur und Zellmetabolismus zu beurteilen. Denn dieser Bereich ist unter anderem auch dafür verantwortlich, dass heute bereits viele notwendige wissenschaftliche Versuche an Organoiden und Sphäroiden in vitro (also im Reagenzglas) durchgeführt werden können und valide Ergebnisse erzielen. Die Bedeutung der Stammzellforschung ist vor allem in Zusammenhang mit Hirn-, Herz-, Magen-, Darm- und Nieren-Modellen* nicht zu unterschätzen.

Forschung nach Gebieten im Jahr 2020

Erwartung Publikationen in der Forschung

Quelle: Szabo-Scandic HandelsgmbH & Co KG, Umfrage Forschungstrends

 

Langlebiger Forschungszyklus

In konkreten Medikamenten wird sich die Forschung des heurigen Jahres wohl zum Teil erst in den nächsten Jahren niederschlagen. Dennoch erwarten die Forschungsinstitutionen 2021 besonders viele Medikamente gegen Infektionserkrankungen.

 

Ausschreibung: Immunis 2021

Um die Forschung in Österreich auch abseits von Covid-19 zu unterstützen, hat Szabo-Scandic gemeinsam mit der Nachwuchsorganisation der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, der Next Generation Immunologists den Forschungspreis „Immunis Sponsorship for Young Science“ ins Leben gerufen. Teilnehmen können Dissertant/-innen aus den Fächern der sogenannten Life Science Studien, also Humanmedizin, Veterinärmedizin, Biologie, Bioinformatik, Biotechnologie, Biochemie und verwandter Fächer mit einem Forschungsthema aus dem Bereich der Immunologie, Allergologie oder Vakzinologie. Die beiden besten Projekte werden von einer unabhängigen Fachjury der NGI nominiert und mit einer Forschungsförderung im Gesamtwert von 8.000 Euro prämiert. Ausbezahlt wird der Preis in Geld- und Sachleistungen. Die Bewerbung ist unter www.szabo-scandic.com/immunis möglich. Einreichschluss ist der 30. Juni 2021.

 

*) Einsatz von Organoiden https://de.wikipedia.org/wiki/Organoid